Agilität - der Spagat zwischen Körper und Geist

Agilität - Im Spagat zwischen Körper und Geist

Agilität, agile Organisationen, agiler Lifestyle, agiles Mindset. All diese Begriffe hört man fast täglich, es scheint als ob unsere ganze Welt agil ist. Der Begriff hat sich zu einer Art Modewort entwickelt, dessen Bedeutung immer schwammiger wird. Ich nehme dich mit auf die Suche nach meiner eignen Definition von Agilität im Alltag und finde mich im Spagat zwischen dessen unterschiedlichen Bedeutungen.

Als ich das allererste Mal von Agilität gehört habe, dachte ich jemand spricht über Beweglichkeit. Ja super, da bin ich als Sportlerin bereits sehr gut aufgestellt. Wie genau aber Organisationen agil sein können, machte für mich dann aber keinen Sinn. Dementsprechend vertiefte ich mich in die Literatur und bildete meine eigene Definition von Agilität. Sie startet bereits mit der Unterscheidung von physischer und psychischer Ebene. Um das Ganze greifbarer zu machen, starte wir gerade mit einem Beispiel…

Physisch gesehen bin ich wohl die agilste Spielerin meiner Mannschaft, denn dank meiner Überbeweglichkeit kann ich den Spagat im «Bein umdrehen». Auf psychischer Ebene, da würden Sie meine Mitspielerinnen, wohl ab der Frage auslachen. Weshalb? Ich beginne einmal mit meiner Aufzählung, ich sitze seit Jahren am exakt selben Platz, beim Aufwärmen bin ich immer die zweitvorderste, beim Einlaufen in die Halle die letzte und wenn ich nicht dasselbe Lied höre kurz vor Spielbeginn, dann ist das Spiel bereits gelaufen. Erkennst du dich wieder?

Falls du jetzt lachst, dann kann ich dir versichern, ich auch. Bis vor Kurzem waren all diese Rituale selbstverständlich und auch elementar für mich. Erst als eine neue Mitspielerin unbewusst eines meiner Rituale störte, indem sie auf meinen Platz sass und mich unglaublich in Rage brachte, fiel mir auf einmal auf wie irrsinnig meine Wut war. Dieser Moment in Kombination mit meinem zusätzlich neu entdeckten Interesse für ein agiles Mindset, führte mir vor Augen wie unflexibel ich auf psychischer Ebene überhaupt war.

So beschloss ich von Spiel zu Spiel meine Routinen ein wenig zu lockern. Nicht alle aufs Mal, aber eine nach der anderen, einmal zu verändern. Meine Erkenntnis, es war zu tiefst unangenehm, mein Körper schien sich richtig dagegen zu sträuben. Aber nun mal ehrlich einen Einfluss auf meine Spielfähigkeit hatte es überhaupt nicht. Mit der Zeit wurde es auch immer angenehmer und so kann ich heute ohne Probleme auch die dritt- anstatt die zweitvorderste sein und nichts geschieht. Manche Rituale habe ich aber auch beibehalten, denn auf ihre Weise dienen sie einem bestimmten Zweck.

Mein Fazit aus dem Erlebten, bei einem agilen Mindset geht es meiner Meinung nach nicht darum alles sofort zu ändern. Vielmehr geht es um eine Reflexion der bestehenden Strukturen und falls nötig deren Aufbrechen. In dieser Hinsicht ist der Umgang mit dem Wandel von besonderer Bedeutung. Neues soll als Chance und nicht als Bedrohung betrachtet werden und so können wir alte mit neuen Routinen verbinden.

Aus diesen Erkenntnissen möchte ich 3 wichtige Grundsätze definieren, die mein agiles Denken gefördert haben:

  1. Hinterfrage

Bestehende Routinen prägen oftmals unbewusste Handlungen. Diese mögen zu Beginn noch begründet gewesen sein, können aber sich im Laufe der Zeit verwirken.

  1. Sei offen

Teste auch neue Möglichkeiten, die dir helfen deinen Horizont zu erweitern.

  1. Versuche die Vorteile zu sehen

Um auch die Vorzüge von Neuem zu entdecken, musst du auch aktiv versuchen dessen Vorteile zu finden.

Abschliessen möchte ich mit der Vereinigung der beiden Ebenen. So unterschiedlich wie diese auch sein mögen, ein sehr wichtiges Merkmal haben sie gemein: nur durch die Übung kann auch mehr Agilität erreicht werden.

Es gibt niemanden der von heute auf morgen beschliesst, dass er den Spagat kann, sondern er muss jeden Tag dehnen bis er an den Punkt kommt, an dem er es schafft. Dasselbe gilt wohl auch für mich, auch wenn ich bereits den Spagat auf physischer Ebene kann, so wird es noch manche Dehnübung brauchen, bis ich ein wahrhaftig agiles Mindset habe.

 

In diesem Sinne viel Spass beim Dehnen!

 

 

 

Text: Rahel Frischknecht, Trainee